Der lange Weg zum "Schriftsteller"

Alles fing mit einem Traum an. Nein, nicht mit dem berühmten Lebenstraum „Ich möchte Schriftsteller werden“, sondern nachts – während des Schlafens. Zwischen allerhand wirrem Zeug tauchte plötzlich die Szene auf, mit der in meinem Debütroman Lünsch-Mord alles losgeht. Klingt klischeehaft, ist aber wirklich so gewesen.

 

Und auch wenn ich damals nicht ernsthaft das Ziel hatte, ein „richtiger“ Schriftsteller zu werden, so war doch bereits seit geraumer Zeit der Wunsch da, einen eigenen Kriminalroman zu schreiben. Und der sollte – das war damals noch ziemlich unüblich – nicht in einer Metropole oder einer landschaftlich reizvollen Urlaubsregion spielen. Nein, die Handlung sollte sich in „meiner“ Stadt zugetragen haben – in Lüdenscheid!

  

Das Buch im Kopf

Nach und nach entstand in meinem Kopf ein Plot, ja beinahe schon ein ganzes Buch. Allerdings nur in meinem Kopf; zu Papier gebracht habe ich nichts. Die Ausreden, mit denen man ein großes Projekt immer wieder auf die lange Bank schiebt, kennt wohl jeder: Zu viel Stress im Job, zu viele private Verpflichtungen, der Kopf ist gerade nicht frei und und und …

 

So dauerte es ungefähr – Achtung – 20 Jahre, bis ich endlich den Entschluss fasste loszulegen. Egal wie stressig es in der Firma war, egal wie viele private Verpflichtungen es gab und egal ob der Kopf frei war oder nicht (spätestens nach dem dritten Satz ist er ohnehin frei): Fortan nutzte ich so ziemlich jede freie Minute zum Schreiben. Ich schrieb in der Frühstückspause, im Restaurant, im Zug, gerade an den Wochenenden natürlich auch zu Hause am Schreibtisch und im Winterurlaub auch schon mal in der Skihütte und der Seilbahn. 

Die tägliche Zeitreise

 Weil sich im Lünsch-Mord Theo Kettling und Lieselotte Larisch 1972 auf die Suche nach dem Täter machen, war es allerdings mit dem Schreiben nicht getan. Fast alles, was – würde die Handlung in der Gegenwart spielen – mit ein paar Mausklicks im Internet herauszufinden gewesen wäre, musste mehr oder weniger aufwendig recherchiert werden: Wie sah es an den Schauplätzen vor 40 Jahren aus? Welche Autos gab es im Fuhrpark der Lüdenscheider Polizei? Welche Buslinie fuhr vom Stadtzentrum zum Sitz der Kriminalpolizei in der Parkstraße? 

 

Je besser mir das eigene Werk gefiel, umso größer wurde der Wunsch, es später auch wirklich mal als Buch in der Hand halten zu können. Und mittlerweile waren auch die Ansprüche an die Art der Veröffentlichung gewachsen. Kein selbst verlegtes Buch mit Book-on-Demand, kein Zuschussverlag. Nein, ein richtiger Verlag sollte es sein. Einer, der einem kein Geld abnimmt, sondern im Idealfall sogar ein Honorar zahlt, sodass man fortan zu den „echten“ Autoren zählte.

 

 

Bei der Lektüre eines Autorenratgebers erfuhr meine anfängliche Euphorie allerdings einen ordentlichen Dämpfer. Zwar wurde allenthalben darauf hingewiesen, dass – wenn die Qualität der schriftstellerischen Arbeit stimme – durchaus die Chance auf einen Verlagsvertrag bestehe. Der Weg dahin sei in aller Regel aber lang und steinig. Die Chance, als Neuling sein Manuskript direkt an – irgendeinen – Publikumsverlag zu verkaufen, wird in den einschlägigen Ratgebern mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 1:1000 angegeben. Und bei einem der „Big Player“ unterzukommen, ist demnach noch schwieriger – in etwa so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto.

 

Ein erstes Happy End

 Mein Sechser erreichte mich in Form einer E-Mail. Die Lektorin des großen Verlags, an den ich mein Manuskript einfach mal ganz frech geschickt habe, meldete sich und teilte mir mit, dass es ihr gefalle und man daran interessiert sei. Nachdem einige Details besprochen waren und der Programmleiter grünes Licht gegeben hatte, lag der Verlagsvertrag im Briefkasten.

 

 Das Buch verkaufte sich prima – und tut es noch. Der Lünsch-Mord ist mittlerweile in der dritten Auflage erhältlich, hat mit "Im Grab ist noch ein Eckchen frei" einen turbulenten Nachfolger bekommen, und auch der dritte Fall der Kettling&Larisch-Reihe ist bereits in Arbeit ...